Hessischer Außenwirtschaftstag 2011

Die hessischen Industrie- und Handelskammern veranstalteten am 7. Juni 2011 erstmals einen landesweiten hessischen Außenwirtschaftstag.

 

Erster Hessischer Außenwirtschaftstag:
Hessische Exportwirtschaft traf sich in Frankfurt
 

Rund 350 hessische Unternehmen nutzten am 7. Juni die Gelegenheit sich beim Hessischen Außenwirtschaftstag 2011 über aktuelle Trends in Auslandsmärkten zu informieren und Erfahrungen auszutauschen. Steffen Saebisch, Staatsekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, betonte in seiner Begrüßung, dass die Landesregierung hessische Unternehmen vor allem bei ihrem Weg in solche Auslandsmärkte unterstütze, in denen die rechtlichen Rahmenbedingungen schwierig, die Geschäftschancen aber groß seien. Dazu gehörten große und kleinere Schwellenländer wie z.B. Brasilien oder Vietnam. Ein Schwerpunkt der hessischen Landesregierung liege derzeit auf der Zusammenarbeit mit China, so Saebisch. Als erstes Bundesland habe Hessen eine Kooperationsvereinbarung mit der Planungsbehörde des chinesischen Staatsrates geschlossen. Dadurch erhalte man frühzeitig Informationen über anstehende Investitionsprojekte, so Saebisch. Besonders interessant sei dies für Unternehmen, die in den Bereichen Städtebau oder Umwelt tätig seien.

Prof. Dr. Hüther, Direktor des Deutschen Instituts für Wirtschaft in Köln, sieht in der Exportstärke der deutschen Industrie den Garant für künftiges Wachstum in Deutschland. Im Vergleich mit anderen Industrieländern wie Frankreich, Japan oder den USA habe Deutschland eine einmalig hohe Exportquote. Der Anteil der Arbeitsplätze, die direkt oder indirekt vom Export abhängig seien, sei zwischen 1995 und heute sogar von 15 auf 21 Prozent gestiegen, so Hüther. "Deutschland ist der Durchlauferhitzer in der Europäischen Wirtschaft und die vor einigen Jahren vielzitierte Theorie der Basarökonomie hat sich keinesfalls bestätigt", fasst Hüther zusammen. Trotz dieser guten Ausgangssituation sieht Prof. Hüther noch unerschlossenes internationales Potential im deutschen Mittelstand, nur 40 Prozent der verarbeitenden Unternehmen seien derzeit im Ausland tätig. Internationalisierung und Innovation seien die entscheidenden Erfolgsfaktoren; die beiden wesentlichen kritischen Ressourcen seien Fachkräfte sowie Versorgungssicherheit im Energie- und Rohstoffbereich.

Im zentralen Asien-Pazifik-Panel wurden Trends und Perspektiven in der großen Wachstumsregion diskutiert. Die beiden Megamärkte China und Indien standen dabei besonders im Fokus. Im direkten Vergleich spreche auf den ersten Blick vieles für den chinesischen Markt, so Jürgen Fitschen, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bank. Andererseits seien 90 Prozent der deutschen Firmen in Indien nach einer aktuellen Umfrage der AHK Indien mit Ihren Geschäften zufrieden. Andreas Ehrler, Geschäftsführer der Rothenberger Werkzeuge aus Kelkheim sieht die größte Herausforderung im Indiengeschäft in der Zahlungsmoral. Für die Stefan Messer Group berichtete der CFO Dr. Hans-Gerd Wienands, dass die wichtigste Mitarbeiterin in China, eine chinesische Relationsship-Managerin sei, die viele wichtige Kontakte und Aufträge ermögliche. Deutsche Expats hingegen spielten generell keine große Rolle. Die Johannes Hübner-Fabrik elektrischer Maschinen GmbH aus Gießen habe sich trotz verlockender Förderangebote von chinesischer Seite bislang noch nicht zu einer eigenen Fertigung in China entschlossen, erläuterte der Sprecher der Geschäftsführung, Dieter Wulkow. Nach Einschätzung von Dr. Jürgen Heraeus, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Heraeus Holding GmbH, ist eine gewisse Vorsicht auch berechtigt, vor allem wenn die Kompetenz eines mittelständischen Unternehmens in wenigen Hightech Produkten gebündelt ist. Auch andere asiatische Märkte seien aus deutscher Sicht interessant, so übereinstimmend die Teilnehmer. Man müsse jedoch beachten, dass die wirtschaftlichen und kulturellen Unterschiede erheblich seien. Sehr positive Geschäftschancen sieht Jürgen Fitschen in Korea und Taiwan. Japan stehe, nach seiner Einschätzung, nach dem Erdbeben und Reaktorunglück an einem Wendepunkt, der den Blick auf längst notwendige Reformen öffnen könne.

Am Nachmittag standen BRIC-Länder sowie Europa und USA im Fokus. Wie auch bei den Beratungsgesprächen der Auslandshandelskammern war das Interesse am Indien-Workshop besonders groß. Erfahrungsberichte aus den Branchen IT, Consulting/Engineering und Chemie machten deutlich, dass der indische Markt aus dem Schatten Chinas getreten ist. Dies liege zum einen in der politischen Bedeutung Indiens, als „Anker der Stabilität umgeben von weniger sicheren Nachbarländern“, betonte Guido Christ, stellv. Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Indischen Handelskammer in Neu Delhi. Mit Wachstumsraten von derzeit acht bis neun Prozent biete Indien mittelständischen deutschen Unternehmen umfangreiche Chancen insbesondere in der Automobilbranche oder im dringend notwendigen Ausbau der Infrastruktur. Berthold Birkelbach, CEO der Frankfurter Schnabel AG, berichtete, dass sein Unternehmen bereits sehr gute Erfahrungen mit indischen Mitarbeitern in Dubai gemacht habe und man sich auf dieser Grundlage für ein Engagement in Indien entschieden habe. Frank Gläser, Geschäftsführer der Grebe Holding GmbH, gab einen Erfahrungsbericht zur Gründung einer Produktionsstätte in Kalkutta und bot damit Anstoß für eine Diskussion über die noch mangelhafte Infrastruktur in Indien und handelshemmende Zollbestimmungen.

China ist schon da, wo Indien hin möchte und zwar ganz an der Spitze der Weltwirtschaft. Das Land der Mitte produziere für die Welt, dies aber längst nicht mehr so günstig wie vor einigen Jahren, so das Resümee der Referenten des China Workshops. Wie sich zum Beispiel die steigenden Personalkosten zusammensetzen und welche Einfuhr- und Ausfuhrbeschränkungen in China zu berücksichtigen sind, erläuterte Peter Ormond der Jost-Werke in Neu Isenburg. Er berichtete auch, wie schwer es ist gutes Personal in China zu finden und zu halten. Gute Erfahrungen habe man z.B. damit gemacht, einen Shuttle-Service zur Arbeitsstätte für die Mitarbeiter einzurichten. Die Jost-Werke wagten den Markteintritt in China 1991 zunächst  gemeinsam mit einem Joint Venture Partner, die 100% Tochtergesellschaft wurde 1998 gegründet. Zwar sei der Aufbau einer Niederlassung in China durchaus mit Gefahren verbunden, ergänzte Reinhard Hübner, Geschäftsführer der Hübner GmbH, es sei jedoch fast noch gefährlicher, überhaupt keine Vertretung vor Ort zu haben. Auch die Frage, wie es mit dem Renminbi weiter geht, blieb im China-Workshop nicht unbeantwortet. Dass Streitigkeiten mit chinesischen Geschäftspartnern nicht immer aussichtslos sind, verdeutlichte Dr. Glatter von der Frankfurter Kanzlei Taylor Wessing. So sollte man im Fall der Fälle ein unabhängiges Schiedsgericht, auf das sich die Parteien gemeinsam verständigen, zur Schlichtung einschalten. Nach wie vor stellen vor allem das große Stadt-Land bzw. West-Ost Gefälle die Regierung vor eine große Herausforderung. Es bleibt also spannend in welche Richtung sich die Wirtschaftsmacht China zukünftig weiter entwickeln wird.

Brasilien macht es ausländischen Geschäftspartnern auf den ersten Blick nicht einfach. Jeder Importeur und jeder Exporteur muss sich beim Ministerium für Außenhandel registrieren und auch das Zollsystem Ciscomex ist etwas für Eingeweihte. Dennoch lohnt sich das Engagement. Die sportlichen Großereignisse, die WM 2014 und die Olympiade verleihen dem bereits dynamischen Markt zusätzlich Impulse. Deutsche könnten vor Ort auf eine starke Community setzen und würden als Geschäftspartner geschätzt werden, erläutert Sophia Elise Harbs, Leiterin des Mercosur Projektbüros in Frankfurt.

Russland, das "R" in "BRIC", wurde von den anderen Großen in der Wachstumsdynamik abgehängt. Aber: Die geografische Nähe und die hohe Nachfrage nach Investitionsgütern und Konsumgütern made in Germany macht den Markt dennoch interessant. Zwei große Themen bestimmen nach wie vor die Diskussion. Russland lebe noch von seinen Rohstoffen, wolle aber modernisieren und das am liebsten mit deutschem Know-how, fasst Jens Böhlmann von der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer zusammen.

22 Experten aus dem Netzwerk der Deutschen Auslandshandelskammern führten rund 100 individuell vereinbarte Gespräche mit hessischen Unternehmen. Im Zentrum standen die Themen Markterschließung und Gründung einer Auslandsniederlassung. Dies spiegelt die Ergebnisse der letzten IHK-Umfrage zum Auslandsgeschäft wieder: Die Unternehmen setzen in strategischen Märkten auf eine eigene Niederlassung. Die Kooperation mit unabhängigen Vertriebspartnern wird bei der Erschließung neuer oder kleinerer Märkte vorgezogen.

>> Impressionen von der Veranstaltung

 



Anfragen aus dem IHK-Bezirk Frankfurt am Main beantwortet Ihnen: Monika Goldbach


 

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Erfolgreiche Schulen sollten ausgezeichnet werden! Seit 2006 verleiht die Arbeitsgemeinschaft hessische Industrie- und Handelskammern (ARGE) in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Kultusministerium deswegen den Schulpreis für die beste Haupt- und Realschule. Die neue Wettbewerbsrunde um den Schulpreis 2012 beginnt jetzt!

10.05.2012 Abwasserpreise und -gebühren variieren in Hessen erheblich – Standortnachteile für Kommunen

In Hessen variieren die Preise/Gebühren für Frisch- und Abwasser zwi-schen den Kommunen zum Teil erheblich.

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